
"Einfach erstaunlich, wie das menschliche Gehirn funktioniert, dass es immer zum richtigen Zeitpunkt die wichtigen Dinge nicht mehr weiß!“
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karin Radermacher - im Landtag Vizevorsitzende des Untersuchungsausschusses "Hohlmeier" und studierte Diplom-Psychologin - wundert sich auch nach den Auftritten weiterer Zeugen aus dem CSU-Spitzenbereich am Donnerstag vor dem Ausschuss über deren Erinnerungslücken. "Es ist einfach erstaunlich, wie das menschliche Gehirn funktioniert, dass es immer zum richtigen Zeitpunkt die wichtigen Dinge nicht mehr weiß!", spöttelte die SPD-Politikerin, nachdem der zeitweilige Münchner CSU-Bezirkschef und Hohlmeier-Vorgänger in dieser Position, CSU-MdB Johannes Singhammer, als Zeuge gehört worden war.
"So hatte der CSU-Mann zwar präzise Erinnerungen an die dubiosen Vorgänge nach der Perlacher CSU-Ortsvereinswahl am 5. Februar 2003 - doch an alles vorher konnte er sich nicht erinnern", wundert sich Radermacher. Doch es gab das Eingeständnis Singhammers, im Herbst schon über Gerüchte zu Mitgliederaufnahmen gehört zu haben. Aber auch da dann auf konkrete Fragen die unkonkrete Antwort: "Ich kann mich nicht mehr genau erinnern.“ Und das, obwohl ihm die SPD im Ausschuss die Aussagen seines Geschäftsführers Quaas schilderte. Auch auf die Frage, wann und ob er mit Monika Hohlmeier über die Wahlfälscheraffäre gesprochen hat, Singhammers schwammige Antwort: "Ich glaube mich erinnern zu können, dass ich mit iht über die Prüfungskommission gesprochen habe. Ob ich sie vorher unterrichtet habe, kann ich mich nicht erinnern."
Konkrete Erinnerung hat Singhammer allein in dem Punkt, der sich inzwischen nicht mehr bestreiten lässt: Das von Monika Hohlmeier auf den Tisch des Bürkleinzimmers im Landtag geknallte Dossier über ihre sogenannten Parteifreunde ("Ich hab' über jeden von Euch was"), das schließlich ihr politisches Ende einläutete: Hier bestätigte ihr Münchner Parteivorsitzenden-Vorgänger Singhammer, was CSU-MdL Spaenle vor einer Woche ausgesagt hat.
Nur lachen kann, SPD-Vizefraktionschefin darüber, dass der Münchner CSU-MdB in Berlin von seiner Partei gelegentlich als Gegenspieler von Wirtschaftsminister Clement genannt wird. Radermacher: "Singhammer ist doch bestenfalls als Minister für Erinnerungslücken zu gebrauchen."
Eine Gegenüberstellung der beiden Zeugen Curt Niklas und Maximilian Junker, die wegen deren widersprüchlicher Aussagen von SPD-Seite verlangt worden war, fand heute nicht statt, da sich Junker krank gemeldet hatte. Hier muss noch eine neuer Termin gefunden werden.
Staatsminister Erwin Huber äußerte sich wie erwartet zum Komplex Traublinger. Er habe mit Haedke sicher einmal darüber gesprochen, dass Traublinger wieder ins Parlament soll, aber er halte es für legitim. Über Wahlmanipulationen habe er nichts gewusst und habe auch mit Stoiber nicht darüber gesprochen, betonte Huber.
Mit Spannung wird nun Ende Juli der Auftritt von Frau Hohlmeier erwartet, denn CSU-Chef und Ministerpräsident Stoiber, den die SPD vergangene Woche als weiteren Zeugen durchsetzte, soll nach dem Willen der CSU nicht mehr vor der Sommerpause des Landtags, sondern erst nach den Ferien als Zeuge vernommen werden. "Dann, nach der voraussichtlichen Bundestagswahl hat er ja wieder Zeit", meint Radermacher.
(01.07.2005)