
Dr. Christoph Rabenstein: Trotz des Anstiegs der Studentenzahl um bis zu 30 Prozent Stellen weggefallen - Eklatanter Mangel an Fachliteratur - Freistaat im Ländervergleich nur im unteren Drittel
Schon seit längerem gibt es Klagen an den Universitäten und Fachhochschulen über die unzureichende Situation an den wissenschaftlichen Bibliotheken. Gerade im letzten Jahr haben sich bayernweit die Rahmenbedingungen erneut verschlechtert, obwohl schon in den Vorjahren erhebliche Defizite angemahnt wurden.
Durch eine schriftliche Anfrage des SPD Hochschulpolitikers Dr. Christoph Rabenstein, MdL, wurden die angesprochenen Defizite nun drastisch verdeutlicht. Das von Staatsminister Thomas Goppel unterzeichnete Antwortschreiben (Drs. 15/6254) legt dar, dass das Personal seit 1999 an den Universitäten um 2 Prozent abgenommen, obwohl die Studentenzahl um rund 20 Prozent zugenommen hat. Rabenstein: "Eigentlich hätten an den Universitäten 200 Stellen neu geschaffen werden müssen, es sind aber 20 weggefallen, und das bei deutlicher Erweiterung der Aufgabenfelder."
Bei den 17 bayerischen Fachhochschulbibliotheken, sieht die Personalsituation noch schlechter aus. Seit 1999 hat sich hier die Zahl der Studierenden erfreulicherweise um 30 Prozent von 52.000 auf 67.500 im Jahr 2005 erhöht: Erfolgsmodell Fachhochschule. Das Personal im Stellenplan hat sich ebenfalls erhöht: von 114 auf 116 Stellen. Bei einem Zuwachs von 15.500 Studenten wurden also 2 (!) Stellen neu geschaffen. "Es fehlen Mitarbeiter im Schulungsbereich, Fachpersonal im EDV-Bereich, für elektronische Medien und ausreichende Öffnungszeiten", so die Klagen an den Fachhochschulbibliotheken.
Auch bei den staatlichen Zuwendungen an die Bibliotheken ergibt sich das gleiche Bild. Die Studentenzahl ist gestiegen, die Gelder sind gleich geblieben oder sogar reduziert worden. Der von der Bayerischen Staatsbibliothek errechnete Sollbetrag für Universitätsbibliotheken wurde in den letzten drei Jahren nur zu 75 Prozent erreicht und es fehlen Jahr für Jahr rund 10 Millionen Euro. An den Fachhochschulen ist die Situation noch dramatischer. Hier werden nur 50 Prozent des Sollbedarfs abgedeckt. "Im Vergleich mit anderen Bundesländern lagen und liegen die bayerischen Fachhochschulbibliotheken im unteren Drittel", bilanziert Christoph Rabenstein.
Aufgrund dieser negativen Entwicklung mussten viele Zeitschriften abbestellt werden und es herrscht ein eklatanter Mangel an neuerer Fachliteratur. Auch für die neuen Online-Medien fehlen oft die nötigen Mitteln, vor allem in den Fachhochschulen.
Hier hat die Bayerische Staatsbibliothek durch die Schaffung eines Kooperativen Leistungsverbundes hervorragende Arbeit geleistet, so Rabenstein. Aber auch hier wird das Geld knapp. Für die Pflege und Sicherung des kulturellen Erbes, z.B. den Erwerb von alten Handschriften und Drucken, waren 2006 erstmals in der Geschichte der Staatsbibliothek keine Mittel mehr vorhanden.
Die Forderungen der Bibliotheken werden in den Jahresberichten verdeutlicht. So heißt es beispielsweise im kürzlich erschienenen Bericht aus der Unibibliothek in Bayreuth:
"Der Freistaat Bayern muss die durch die Kürzungen der letzten Jahre verursachten Einbrüche bei den Bibliotheksetats endlich durch eine in dieser Dimension dauerhaft ausgebrachte Erhöhung der Haushaltsansätze bei 523 73 ausgleichen, die in großem Umfang entstandenen Ausstattungsdefizite durch Sonderzuweisungen bei Kap. 1528 beheben und die künftigen Kaufkraft- und Währungsverluste jährlich durch bedarfsgerechte Etatverstärkungen neutralisieren.
Er muss - um dies ganz nachdrücklich deutlich zu machen – endlich auch dadurch in die Zukunft investieren, indem er eine ausreichende Informations- und Literaturversorgung für Forschung, Lehre und Studium garantiert."
Die SPD Hochschulpolitiker haben eine öffentliche Anhörung beantragt, die im Maximilianeum Anfang 2007 stattfinden wird. Christoph Rabenstein hofft, dass dann eine deutliche Verbesserung erreicht werden kann und der Erkenntnis von Ministerpräsidenten Stoiber auch Taten folgen. Er hat nämlich bei seiner Regierungserklärung im November 2003 festgestellt: "Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes kann nur gesichert werden, wenn in Wissenschaft, Forschung, Ausbildung und Technologie auch tatsächlich wieder stärker investiert wird."
Im Wortlaut zum Download (PDF):
Gesamtsituation der bayerischen Hochschulbibliotheken
Die 38seitige Antwort auf die Anfrage von Christoph Rabenstein (Drs. 15/6254)