
Peter Paul Gantzer fordert Umdenken des TU-Präsidenten Herrmann/Streit um Gutachten
Während im Bayerischen Landtag demnächst eine Gedenktafel für die Verfolgten des Naziregimes angebracht wird, soll in Garching gleichzeitig eine Gedenktafel an zwei aktive Unterstützer dieses Regimes, nämlich die Flugzeugbauer Messerschmitt und Dornier, erinnern. Der Vizepräsident des Landtags und SPD-Landtagsabgeordnete Prof. Peter Paul Gantzer (München-Land) fordert in einem Brief an den Präsidenten der TU München, Prof. Dr. Wolfgang Herrmann, dass die Gedenktafeln für Messerschmitt und Dornier zurückgezogen werden und dafür Gedenktafeln für die beiden Wissenschaftler Otto Lilienthal und Karl Benz aufgehängt werden.
Peter Paul Gantzer: "Es steht fest, dass Messerschmitt im KZ Dachau, im KZ Flossenbürg, in einem Augsburger Außenlager des KZ Dachau und in einer Reihe weiterer Zwangsarbeiterlager Produktionsstätten hatte. Dort waren im September 1943 16,2 % der 15 673 Beschäftigten KZ Häftlinge, im Januar 1945 waren es 27,5 % von 22 239, wovon viele zu Tode kamen. Messerschmitt-Werksärzte nahmen Zwangsabtreibungen bei Ausländerinnen vor. Messerschmitt hat sich ausdrücklich für den Einsatz von Sklavenarbeitern aus KZs stark gemacht. Dornier hat ebenfalls an vorderster Stelle an der Aufrüstung mitgearbeitet. Er wurde 1940 zum Wehrwirtschaftsführer der NSDAP ernannt. Im Katalog zur Ausstellung ‚Ort und Erinnerung' in der Pinakothek der Moderne ist zu lesen: ‚An anderen Produktionsstandorten beutete Dornier auch Häftlinge aus dem KZ Dachau aus."".
Angeblich soll die TU München ein Gutachten zu der Gedenktafel in Auftrag gegeben haben, dessen Erstellung vier Jahre dauerte. Gantzer an Herrmann: "Sie weigern sich, dieses Gutachten zu veröffentlichen, da es angeblich im nächsten Jahr als Buch erscheinen soll. Dieses ist kein Argument. Gutachten werden zur Meinungsbildung erstellt. Die entscheidende Meinung muss sich der Stadtrat Garching bilden, der über die Aufhängung der Tafeln am 1. Juni zu entscheiden hat. Wenn ihm die Einsicht in das Gutachten verweigert wird, handelt es sich praktisch um ein "Nicht-Gutachten". Ich finde es mehr als bedenklich, dass Sie sich auf ein Gutachten berufen, das Sie nicht dem Stadtrat zur Einsicht vorlegen wollen. Das ist schlechter Stil und undemokratisch."
Präsident Herrmann will die TU München zu einer Weltuniversität machen. "Die Anbringung von Gedenktafeln für zwei belastete Wissenschaftler ist hier sicherlich nicht hilfreich," so der Landtags-Vizepräsident.
(25.05.2006)