
Bildungsbericht: Schulerfolg hängt vom Einkommen der Eltern und dem Wohnort ab - zu viele Schulversager - Pfaffmann: Schulreformen endlich einleiten
Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Hans-Ulrich Pfaffmann stellt der Staatsregierung ein verheerendes Zeugnis aus: Der aktuelle Bildungsbericht des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), der morgen im Ausschuss vorgestellt wird, dokumentiere die Reformunfähigkeit von CSU und Staatsregierung. "Die CSU hat keine Antworten auf die schulpolitischen Fragen unserer Zeit", bilanziert Pfaffmann. "Bayern ist das Land der Bildungsungerechtigkeit. Wir brauchen dringend endlich Reformen und höhere Bildungsinvestitionen.
Seit der Vorlage des Bildungsatlas, ebenfalls durch das ISB vor 16 Jahren, habe sich die Bildungsbeteiligung nicht verbessert. Pfaffmann: "Der Bericht zeigt, dass Bildung in Bayern heute längst nicht mehr nur vom Geldbeutel der Eltern abhängt, sondern auch vom Wohnort."
Je höher das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen ist, desto niedriger ist die regionale Übertrittsquote an die Hauptschule und die Realschule und desto mehr Übertritte gibt es an das Gymnasium. Je höher die Arbeitslosigkeit in einer Region ist, desto mehr Kinder besuchen nach der nach der 4. Jahrgangsstufe die Hauptschule.
Der Bildungsbericht weist ebenso einen Zusammenhang zwischen dem Einkommen der Eltern und den schulischen Leistungen nach. Je höher das monatliche Haushaltsnettoeinkommen, desto mehr Punkte erzielten die Grundschüler durchschnittlich in den Orientierungsarbeiten und desto bessere Noten erreichten sie im letzten Halbjahreszeugnis.
Zudem weist der Bericht aus der Sicht von Ulrich Pfaffmann zweifelsfrei nach, dass die Rahmenbedingungen an den Schulen eine ausreichende individuelle Förderung nicht zulassen und daher zu viele Schüler wechseln vom Gymnasium in die Realschule und von der Realschule in die Hauptschule. Dies zeige auch, dass das Übertrittszeugnis in der 4. Grundschulklasse nicht aussagefähig sei, was im Übrigen ein weiteres Argument für eine längere gemeinsame Schulzeit und bessere Förderung sei.
Auch das Angebot an Ganztagsschulen lässt sehr zu wünschen übrig: Auch wenn Mittags- und Nachmittagsbetreuung hinzugezählt werden, nehmen nur 3,2 Prozent der Gymnasiasten ein Ganztagesangebot wahr, in der Realschule sind es 3,0 Prozent, in Volksschule 5,9 Prozent, in der Wirtschaftsschule 4,6 Prozent und in Volksschulen mit sonderpädagogischer Förderung 19,5 Prozent. Pfaffmann: "Jeder weiß es, der Bericht zeigt es, in Bayern besteht eine deutlich höhere Nachfrage nach Ganztagsschulplätzen als vorhanden. Damit macht die CSU keine familienfreundliche und pädagogisch sinnvolle Schulpolitik."
(12.07.2006)