HOMEpfeil PRESSEpfeil DETAILS_MICRO
01. Juni 2006
Fenster drucken. Falls es Probleme mit dem Ausdruck geben sollte, empfehlen wir, das PDF auszudrucken. Seite in PDF Form ansehen Artikel weiterempfehlen

23. Juni: TalkImMax zum BUNNYHILL-Projekt der Münchner Kammerspiele

"Ein Junge, der nicht Mehmet heißt" - Podiumsiskussion zum Theaterstück mit Jugendlichen aus dem Münchner Stadtteil Hasenbergl. 19 Uhr im Senatssaal des Bayerischen Landtags. Eintritt frei.

Let's rap - der Lebenslauf eines echten Hasenberglers: "Mit Acht die Heimat verlassen, mit Neun ein Nichts im fremden Land, mit Zehn durchgeknallt, mit Elf die Zukunft verbaut, mit Zwölf ging's abwärts, mit Dreizehn ein brutales Schwein... (Leonalto, Onur Balta u.a.)".

Wie viel kann Kultur dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen aus dem sozialen Abseits das Gefühl zu nehmen, wertlos zu sein und ihnen neue Perspektiven zu vermitteln? Was leistet kulturelle Bildung für Jugendliche?

Dazu diskutieren auf dem Podium der Bunnyhill-Regisseur Peter Kastenmüller, der Dramaturg Björn Bicker, die Schüler Linda Mittermüller (16) und Alex Adler (22), beide Schauspieler beim Bunnyhill Projekt Ein Junge, der nicht Mehmet heißt, die Sonderschulpädagigin und Autorin Susanne Korbmacher sowie der SPD-Fraktionsvorsitzende Franz Maget.
Moderation: Peter Hufe, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Bild von Marion VogelLive: Lina rapt
Den Einstieg in die Veranstaltung bestreitet Linda Mittermüller als Rapperin.
Hörprobe...
Über Linda Mittermüller:
Spiegel-online
Geolino.de

Bei der Rap-Probe um 17 Uhr im Senatssaal gibt es Möglichkeiten für Interviews und Fotos.

Wie erfolgreich eine solche gemeinschaftliche Arbeit sein kann zeigt das Projekt BUNNYHILL, das im Oktober 2004 von den Münchner Kammerspielen ins Leben gerufen wurde und dessen zentrales Stück "Ein Junge, der nicht Mehmet heißt" nicht nur das Münchner Publikum, sondern ebenso die Besucher der Ruhrfestspielen begeisterte. Die neun Jugendlichen spielen dabei sich selbst und die Texte entstanden aus Improvisationen, Interviews und dokumentarischem Material. Schauspieler und Jugendliche versuchen gemeinsam herauszufinden, wie Fremdheit umschlagen kann in Glück, Unglück, Aggression, Fürsorge, Freude oder Ärger.

Neben Phantasie, Kreativität und Gestaltungsfähigkeit werden durch das gemeinsame Arbeiten an musischen oder künstlerischen Projekten soziale Verantwortung und Teamfähigkeit gefördert. Das gemeinschaftliche Erarbeiten von Musikstücken, Tanzeinlagen und Theateraufführungen bedeutet miteinander und vor allem auch voneinander zu lernen und fördert damit das gegenseitige Verständnis und die Integration.

Eintritt frei!
Anmeldung per Email: talkimmax@bayernspd-landtag.de

Infos zu "ein Junge, der nicht Mehmet heißt" Bunny Hill (aus Bunny Hill. Eine Staatsgründung. Dokumentation)

Die Texte des Stücks entstanden aus Improvisationen, Interviews und aus dokumentarischem Material. Schauspieler und Jugendliche versuchen gemeinsam herauszufinden, wie Fremdheit umschlagen kann in Glück, Unglück, Aggression, Fürsorge, Freude oder Ärger. Ist es möglich, eine eigene Sprache zu finden?

Im Laufe der Vorbereitungen stellte sich heraus, dass es nicht möglich war ein Stück über die Ghettokids zu machen, sondern der einzig mögliche Weg nur sein konnte, mit den Jugendlichen zusammen etwas zu tun.

Statt ein paar Hasenbergler zu Statisten einer Sozialkitschnummer oder eines Agitropthesenstückes zu degradieren, stellten der Regisseur Peter Kastenmüller und der Dramaturg Björn Bicker neun Jugendliche vor. Ramadam, Onur, Alex, Besnik, Toni, Joanis, Severina, Linda und Daniel spielen, dass sie sich selber spielen. Passion impossible: Statements, kosovarische Lieder, biografische Schnipsel, das alles wurde in Mehmet so grob und hart zusammengetackert (…) Jeder von ihnen, so die zentrale These, könnte Mehmet sein, der Jugendliche, der in München zur Chiffre wurde für den clash of civilization. Für die Angst der Eingeborenen vor der Gewalttätigkeit des fremden Stammes da draußen vor der Stadt; und für die angebliche Unfähigkeit des Hasenbergl-Volkes, sich verdammt noch mal zu integrieren.

2004 war "Ein Junge, der nicht Mehmet heißt", sowohl zu den Ruhrfestspielen Recklinghausen als auch zum internationalen Ausstellungsprojekt "Utopia Station" im Haus der Kunst in München eingeladen worden.

Pressestimmen:

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete das Stück als "geglückte Öffnung eines Theaters für die soziale und politische Wirklichkeit seiner Stadt" und als eines "der spannendsten Kunstprojekte, die es in dieser Stadt in den vergangenen Jahren gegeben hat".

"Eine notwendige und sinnvolle Produktion… Denn endlich dürfen diese Jugendlichen zeigen, dass sie nicht die Underdogs sind, die gewaltbereiten Schläger aus Frust und Langeweile, sondern dass es eine Perspektive für die zwischen zwei Kulturen Hin- und Hergerissenen gibt, wenn sie von engagierten Streetworkern dazu angeleitet werden, ihre Ich-Stärke aufzubauen und ihr Selbstvertrauen zu stärken" (Neue Presse Coburg, 9.11.2004)

"Präsenz und Authentizität der Jugendlichen sind beeindruckend… Fakten und Gefühle, Wirklichkeit und (Kunst-)spiel in schnellem Wechsel" (AZ – Abendzeitung, 25.10.2004).

"Der Abend hat Charme, weil die neun Jugendlichen, mit Unterstützung von fünf Kammerspiel-Schauspielern mit großer Energie und hohem Tempo erzählen. Auf dem Laufsteg in der Mitte des Raums wechseln sie sich atemlos ab, machen Blödsinn, singen wunderschöne Lieder aus der Heimat, irgendwo fern von hier… Es geht um das Erzählen von Lebensumständen, aus denen die Mehmets kommen könnten" (Süddeutsche Zeitung, 25.10.2004)

"Es ist ein Stück von, für und über all die unbekannten Ruhelosen, die sich in der Stadt vielgestaltig verbergen auf der Suche nach Idealen und Träumen, seines die Zehn Gebote oder der eigene Balkon, der Friede im Kosovo oder die Ausbildung zur Kosmetikerin. Begrifflich oder konkret, global oder persönlich – alles wird gleich wichtig genommen… So schwankt das Stück wie die Realität zwischen Albernheit und Ernst, Berechen- und Unberechenbarkeit, Sanftmut und Aggression. Wo eben noch eine Welt erschaffen wurde, wird sie anschließend zerstört, wo eben noch Freund stand geht jetzt der Feind. Es gibt keine Sicherheit" (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2004).

Zu den Diskussionsteilnehmern:

Peter Kastenmüller
1970 in München geboren
1992-1994 Studium der Philosophie bei den Jesuitenpatres in München
1994 Gründung der freien Theatergruppe Particular Order in München
1995 Assistent am Schauspielhaus Leipzig bei Wolfgang Engel
1999 Inszenierung von "Julies End" von August Strindberg am Jungen Theater Göttingen
2001 fester Hausregisseur am Staatstheater Kassel
Spielzeit 2001/2002: Inszenierung von Wedekinds "Der Marquis von Keith" an den Münchner Kammerspielen
Spielzeit 2004/2005 des schauspielfrankfurt Regie bei Schillers "Die Räuber" und bei Michel Houellebecqs "Plattform"
Spielzeit 2004/2005 Regie bei "Ein Junge, der nicht Mehmet heißt" im Rahmen des Bunnyhill Projektes der Münchner Kammerspiele
Spielzeit 2005/2006 Regie bei der Uraufführung von "A – Angst essen Zentrum auf" als Fortsetzung des Bunnyhill Projektes

Björn Bicker
1972 in Koblenz geboren
Studium der Literatur, Philosophie und Rhetorik in Tübingen und Wien
1995 erster Absolvent (Zertifikat) des Tübinger Studio Literatur und Theater
Regieassistent und Produktionsdramaturg in Berlin und Tübingen
Festes Engagement als Dramaturg am Wiener Burgtheater
Ab der Spielzeit 2001/2002 Dramaturg an den Münchner Kammerspielen
Mitwirkender des Bunnyhill Projektes
"Sowohl in seinen Stücken als auch in seinen Projekten gelingt Björn Bicker - Dramaturg, Autor, Staatengründer, allem voran aber passionierter, moderner Theatermacher - der Versuch, Innen und Außen, Peripherie und Zentrum zu verbinden, dramatisches Leben in Dramatik zu verwandeln und die oft hermetisch abgeriegelten Räume des Theaters für diejenigen zu öffnen, die sich jenseits dieser Wirklichkeit bewegen."

Linda Mittermüller

16 Jahre alt, Schülerin
Schauspielerin beim BUNNYHILL-Projekt "Ein Junge, der nicht Mehmet heißt"
Jugendleiterin
Mitarbeit bei Ghettokids e.V.
Macht Hip-Hop und Rap

Alex Adler

22 Jahre alt
Schüler an der ISSA (Internationalen Schule für Schauspiel und Acting, München)
Schauspieler beim BUNNYHILL-Projekt "Ein Junge, der nicht Mehmet heißt"
Jugendleiter
Mitarbeit bei Ghettokids e.V.; macht Rap; schreibt an seinem ersten Drehbuch

Susanne Korbmacher
1973/1974 Schauspielausbildung in München

1974-1977 Studium der Erziehungswissenschaften, Lehramt Grund- und Hauptschule

1977-1979 Sonderpädagogisches Aufbaustudium mit den Schwerpunkten Lernbehinderten- und Verhaltensgestörtenpädagogik

1979-1981 Lehramtsanwärterin

Auslandsaufenthalt in Griechenland:

1981-1986 Eigene Schule mit 7 Gruppen für Deutsch als Fremdsprache

1985-1986 Lehrkraft am Goethe-Institut Thessaloniki

1989-1990 Nebenberufliches Studium: Didaktik des Deutschen als Zweitsprache an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen (mit Staatsexamen)

Lehrbeauftragte der Uni München / LMU - Lehrstuhl Deutsch als Zweitsprache

Referentin an der Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen und am Pädagogischen Institut München

Mitarbeiterin am Institut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München (Institutsrektorin Frau Petra Hölscher)

Mitarbeit bei div. Veröffentlichungen (u.a Sprachstandsdiagnostik, Unterrichtsmaterialien für Deutsch als Zweitsprache)

Unterrichtet als Sonderschullehrerin am Förderzentrum München-Nord

Autorin des Buches "Ghettokids – Immer da sein, wo's weh tut", in dem neun Biografien von Kindern und Jugendlichen aus dem Hasenbergl vorgestellt werden.

Unterstützt mit ihrem "Lichttaler-Projekt" Kinder in Problemvierteln dabei, ihr Leben selber in die Hand zu nehmen.

Initiatorin eines Kooperationsprojektes mit einem Jugendzentrum im Hasenbergl-Viertel: Thealimuta, das den Kids die Möglichkeit bietet an kreativen Arbeitsgemeinschaften teilzunehmen.

Hauptpreis der Stadt München zum Europäischen Jahr gegen Rassismus (1998) für die Thealimuta-Produktion "Raus mit der Sprache - Vorurteile, Nachteile, Vorteile, Urteile"

1998 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihre Arbeit

2000 Gründung des Verein "Ghettokids – soziale Projekte e.V." mit den Zielen

"so oft wie möglich von der Straße weg"

"in die Welt hinaus – aus dem Hasenbergl raus"

Anregungen zur eigenen Kreativität mit Hilfe von Theater, Liedern, Musik, Tanz zu geben.

Die Jugendlichen zu helfen, Selbstachtung und Respekt zu finden.

Musik-Video-Clip ‚SchlagZeilenLife’ von Heike Ulrich (Drehbuch/Regie):

Auftraggeber: "ghettokids-Soziale Projekte e.V."

Höchste filmische Auszeichnung der Filmbewertungsstelle Wiesbaden für den Clip: Prädikat "besonders wertvoll"

2001/2002 Mitarbeit bei den Filmprojekten "Ghettokids" und "Planet Hasenbergl – Lichtblicke in der Münchner Bronx"

2. Dezember 2002 Medienpreis "Der Goldene Gong" - "Als Auszeichnung für ihre Inspiration zum Filmprojekt "Ghettokids" und ihr großes soziales Engagement."

Texterin von CD-Produktionen: "Hasenbergl-Rap" (1998), "SchlagZeilenLife" (2002), "Ghetto gibt’s hier nicht" (2004)

Fenster drucken. Falls es Probleme mit dem Ausdruck geben sollte, empfehlen wir, das PDF auszudrucken. Seite in PDF Form ansehen Artikel weiterempfehlen