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13. April 2012
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Landtags-SPD fordert mehr Mut für das Gymnasium

Bildungspolitikerin Karin Pranghofer für flexible Oberstufe - sechs Eckpunkte für bessere Rahmenbedingungen an Bayerns Gymnasien

Die Diskussion der letzten Wochen um das bayerische Gymnasium hat gezeigt, dass auch nach dem ersten Durchlauf des G8 noch nicht alle Probleme aus der Welt sind. Ebenso hat im März dieses Jahres die Expertenanhörung des Bildungsausschusses zur Gesamtbilanz des G8 die Mängel aufgedeckt, mit denen das bayerische Gymnasium zu kämpfen hat. "Vor allem der Verdichtung des Stoffes und der zeitlichen Belastung der Schülerinnen und Schüler muss noch entgegengewirkt werden", stellte die SPD-Bildungspolitikerin Karin Pranghofer am Freitag bei einer Pressekonferenz im Landtag fest.

"Es liegen mehrere Vorschläge auf dem Tisch, wie eine Flexibilisierung der gymnasialen Schulzeit für den einzelnen Schüler sinnvoll umgesetzt werden kann, um den unterschiedlichen Lerntempos der Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden", erklärt die SPD-Landtagsabgeordnete. Der Philologenverband spricht von einem generellen Brückenjahr am Ende der 10. Klasse, der BLLV fordert eine Ausweitung der Intensivierungsstunden. "Keine Lösung ist das von Minister Spaenle geplante Intensivierungsjahr für ausgewählte Schüler der Mittelstufe, für das er wohl die bereits vorhandenen Einführungsklassen (die bisher für den Übergang z. B. von Real- und Wirtschaftsschülern auf das Gymnasium eingerichtet wurden) nutzen will."

Pranghofer: "Als SPD-Landtagsfraktion fordern wir mehr Mut für das bayerische Gymnasium, denn diese Schule kann mehr, wenn wir die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Wir haben deshalb sechs Eckpunkte formuliert."

1. Zeit runterfahren in der Unter– und Mittelstufe durch Neuverteilung der Gesamtstundenzahl

Ziel: Die Entlastung der Schülerinnen und Schüler am Gymnasium soll durch eine Neuverteilung der Gesamtstundenzahl (265 bis zum Abitur) in den einzelnen Jahrgangsstufen erreicht werden. Diese Neuverteilung der Stunden muss berücksichtigen, dass der KMK-Standard (265 Stunden) bis zum Abitur erfüllt werden und die Pflichtstundenzahl am Gymnasium in allen Jahrgangsstufen (5 - 12) mit 30 Pflichtwochenstunden nicht überschritten werden soll (= 240 Stunden).


Maßnahmen: Hierzu ist der Unterricht in den Jahrgangstufen 5 bis 12 sinnvollerweise für die Schülerinnen und Schüler wie folgt zu verteilen:

  • In den Jahrgangsstufen 5 bis 6 werden 30 Pflichtwochenstunden nicht überschritten.
  • In den Jahrgangsstufen 7 bis 10 werden verteilt über vier Schuljahre zusätzlich zu den 30 Pflichtstunden insgesamt 13 Intensivierungsstunden ausgewiesen, fünf davon können auch aus dem Wahlbereich kommen.
  • In der Oberstufe müssen zu den 30 Pflichtstunden insgesamt zwölf Intensivierungsstunden belegt werden, wobei die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden in der Oberstufe (72 Stunden) auch in drei Schuljahren erbracht werden kann.

Begründung:

  • Gerade beim Start ins Gymnasium sind kleine Lerneinheiten und Zwischenziele wichtig, um den Kindern Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Haben sie erst mal Erfolg und Spaß am Lernen gefunden, kann man die Anforderungen steigern.
  • Eine Entlastung, vor allem in den Jahrgangsstufen der Unter- und Mittelstufe soll gewährleisten, dass der Einstieg ins Gymnasium besser gelingt und Entwicklungsschwankungen in der Mittelstufe (wie z.B. in der Pubertät) besser aufgefangen werden können.
  • In der Oberstufe soll Wahlfreiheit bestehen, ob das Lernpensum in zwei oder drei Jahren absolviert wird. Die neue Aufteilung der Stunden soll dem altersgerechten und individuellen Lernen mehr Gewicht verschaffen und Unterricht soll in sinnvollen, fachlichen, zeitlichen und pädagogischen Zusammenhängen angeboten werden können.

Es kann nicht unser Ziel sein, Unmengen an Faktenwissen in die Köpfe zu stopfen, ohne dass die Schüler/innen es verarbeiten und langfristig nutzen können.

2. Passgenaue pädagogische Konzepte in allen Gymnasien umsetzen

Ziel: Von einer „neuen Pädagogik“ soll das G8 und damit das Gymnasium insgesamt profitieren.

Maßnahmen:

  • Doppelstundenprinzip einführen
  • Selbstgesteuertes und individualisiertes Lernen umsetzen
  • Andere Formen der Leistungsfeststellung

Begründung:

  • Es reicht nicht aus, wenn einige wenige Gymnasien gute pädagogische Konzepte umsetzen und andere Schulen nur über diese Erfolge ermuntert werden, das Gleiche zu tun.
  • Als gut erkannte Unterrichtselemente müssen Standards werden und sollten den Schulen als Elemente für „gute Schule“ zur Einführung vermittelt werden. (siehe Maßnahmen).

Diese Schulentwicklung an den Gymnasien ist intensiv zu begleiten und zu evaluieren.

3. Flexible Oberstufe einführen – ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten ermöglichen

Ziel: Die Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums soll so gestaltet werden, dass sie in zwei oder drei Jahren mit dem Abitur abgeschlossen werden kann.

Maßnahmen:

  • Die Oberstufe soll in Pflicht-, Wahl - und Zusatzkursen organisiert werden. Die Schüler wählen Pflicht- und Wahlkurse in den Klassen 11 und 12 und daneben Zusatzkurse (vergleichbar mit früheren Leistungskursen).
  • Die Schülerinnen und Schüler können selbst ab Mitte der 11. Jahrgangsstufe entscheiden, ob sie die Oberstufe in zwei oder drei Jahren absolvieren können und wollen.
  • Mit der Wahl von Pflicht- und Wahlkursen sowie von Zusatzkursen in den Klassen 11 und 12 können individuelle Neigungen gefördert werden, da Fächer belegt werden können, die im G8 ansonsten entfallen müssten.
  • Die erzielten Punkte von Kursen ergeben ein „Zeugnis“ - eine Abiturprüfung mit den gewohnten Inhalten ist problemlos möglich, denn die Abiturstandards der Kultusministerkonferenz werden selbstverständlich eingehalten.

Begründung:

  • Die Flexibilisierung am Ende der Schulzeit berücksichtigen die Erkenntnisse aus der Schulpädagogik, die aussagen, dass die Lern- und Leistungsunterschiede der Schülerinnen und Schülern sowohl beim Start in das Schulleben (deswegen „Flexible Grundschule“) als auch am Ende des Schullebens (analog „Flexible Oberstufe“) nachweislich die größten Abweichungen vorweisen.
  • Das Gymnasium muss ganz konkret auf das persönliche Lerntempo der Schülerinnen und Schüler mehr Rücksicht nehmen.
  • Durch die Herausnahme des Drucks kann mehr Wissen vermittelt werden, das auch langfristig abrufbar bleibt.

4. Das Ganztagsgymnasium endlich umsetzen

Ziel: Das Ganztagsgymnasium kann erheblich dazu beitragen, den erfolgreichen Abschluss im Gymnasium zu befördern.

Maßnahmen:

  • Wir brauchen mehr Engagement beim Ausbau des Ganztags an den Gymnasien.
  • Wir wollen zeitnah alle Gymnasien in Bayern zu Ganztagsgymnasien umwandeln.
  • Um einen Vollausbau von Ganztagsschulen an Gymnasien baldmöglichst zu erreichen, muss an jedem Gymnasium in Bayern mindestens ein Ganztagszug unmittelbar eingerichtet werden.

Begründung:

Ganztagsschulen

  • begünstigen eine Lehr- und Lernkultur, die auf die Interessen und Voraussetzungen der einzelnen Schülerin/des einzelnen Schülers eingehen,
  • rhythmisieren den Unterricht
  • und lassen den Schülerinnen und Schülern Zeit zum Vertiefen, aber auch zum Nutzen zusätzlicher Schulangebote.

5. Schulsozialarbeit am Gymnasium ausbauen

Ziel:

Es muss sichergestellt sein, dass an den Gymnasien nicht nur die bisher vorhandenen Stellen für Schulsozialarbeit weiter erhalten bleiben, sondern ein kontinuierlicher Ausbau von Schulsozialarbeit an den Gymnasien erfolgt.

Maßnahmen:

  • Den Schulen müssen eigene Budgetmittel für Schulsozialarbeit zur Verfügung stehen.

Begründung:

  • Im Gymnasium wurden die bisher zur freien Verfügung stehenden Budgetmittel häufig dazu genutzt, um Schulsozialarbeit einzurichten. Mit der Dienstanweisung des Kultusministeriums, 2/3 der freien Budgetmittel künftig für Unterrichtsausfall zu reservieren, werden diese Stellen in Frage gestellt. Zur Sicherung der bereits vorhandenen Stellen und für den Ausbau der Schulsozialarbeit an den Gymnasien sollen deshalb eigene Budgetmittel für die Gymnasien bereitgestellt werden.

6. Integrierte Lehrerreserve einführen, ohne die Mobile Reserve zu vernachlässigen

Ziel:

Vom kommenden Schuljahr an sollen an allen Gymnasien in Bayern zusätzliche Mittel für den Aufbau einer integrierten Lehrerreserve im Umfang von 5 Prozent der an der Schule tätigen Lehrkräfte bereitgestellt werden.

Maßnahmen:

  • Die Lösung des Problems liegt u.a. zunächst im Aufbau einer integrierten Lehrerreserve vor Ort. Diese zusätzlichen Lehrkräfte müssen weitere Aufgaben übernehmen, z.B. im Rahmen der individuellen Förderung Einzelner, der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und auch zur passgenauen Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler. Im Notfall können sie schnell und unbürokratisch Lehrkräfte vertreten und so helfen, Unterrichtsausfall zu vermeiden.
  • Auf einen Modellversuch „Integrierte Lehrerreserve“ soll verzichtet werden, da die integrierte Lehrerreserve in vielen Bundesländern bereits erprobt wurde und es deshalb keines Modellversuchs in Bayern mehr bedarf.
  • Die mobile Reserve für langfristige Vertretungen ist unverzichtbar und muss weiter ausgebaut werden.

Begründung:

  • Die individuelle Lernentwicklung und die Förderung der Schülerinnen und Schüler, aber auch die Qualitätsinstrumente für den Schulbetrieb, wie z.B. „Selbständige Schule“, Ausweitung der Leitungszeit für Schulleiter und schulinterne Fortbildungen und Maßnahmen der Personalentwicklung führen in den Schulen zu einem zunehmenden Bedarf von flexibel einsetzbaren Lehrerstunden. Ein Budget, das lediglich den Stundenplan abdeckt, ist überholt und wird immer zu Unterrichtsausfall führen.

Die SPD reicht ein Antragspaket ein, das das Gymnasium stärken wird und auch auf die Lernbelastungen am G8 adäquat reagiert. Bildung trägt ein Leben lang! Die SPD-Fraktion steht für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, deshalb müssen wir die bekannten Probleme am Gymnasium anpacken.

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